Ein Stromzähler misst, wie viel Strom aus dem Netz bezogen oder ins Netz eingespeist wird. Diese Werte dienen als Grundlage für die Rechnungsstellung. Erfasst wird zum einen der Verbrauch von Elektrogeräten, Beleuchtung, gegebenenfalls von Ladestationen für Elektrofahrzeuge sowie auch der Heizung, sofern das Gebäude mit einer Wärmepumpe beheizt wird. Zum anderen wird die von Photovoltaikanlagen erzeugte und ins Netz abgegebene Strommenge berücksichtigt. Wer also seinen Stromverbrauch im Griff haben will, sollte diesem Messgerät besondere Aufmerksamkeit schenken.
Warum den eigenen Stromverbrauch verfolgen?
Den eigenen Stromverbrauch im Auge zu behalten, ist ein guter Weg, um Energie zu sparen. Denn wer sieht, wie sich der Verbrauch je nach Jahreszeit, Tageszeit oder genutzten Geräten verändert, kann Verschwendung vermeiden. Deshalb empfiehlt es sich, jede Gewohnheitsänderung oder die Inbetriebnahme eines potenziell stromintensiven Geräts mit Datum festzuhalten und anschliessend zu beobachten, wie sich der Verbrauch entwickelt. So sinkt er beispielsweise, wenn der Tumbler seltener benutzt wird, und steigt, wenn eine Klimaanlage installiert wird.
Dadurch lassen sich nicht nur Kosten sparen, sondern auch der ökologische Fussabdruck verringern. Wie stark die Umwelt belastet wird, hängt vom Strommix ab. So verursacht etwa Strom aus Kohlekraftwerken mehr Schadstoff- und CO₂-Emissionen als Strom aus Wasserkraft. Dieser Mix verändert sich kontinuierlich, sowohl von Tag zu Tag als auch im Verlauf der Monate.
Wie kann man den Stromverbrauch überwachen?
Wer über einen intelligenten Stromzähler (Smart Meter) verfügt, kann die Lastengänge, d. h. die zeitlichen Aufzeichnungen des eigenen Stromverbrauchs, ganz einfach über eine App oder im Kundenportal des Netzbetreibers einsehen. Wenn noch kein solcher Zähler installiert ist oder Sie Ihre Verbrauchsdaten lieber manuell erfassen, notieren Sie sich regelmässig, zum Beispiel einmal pro Woche, die kWh-Werte auf Ihrem Zähler.
Für die manuelle Erfassung gilt: Bei älteren elektromechanischen Drehstromzählern werden die Werte direkt auf dem Gerät angezeigt. Bei einem digitalen Zähler können die verschiedenen Werte in der Regel über eine einzige Taste nacheinander abgerufen werden: Gesamtverbrauch, Hoch- und Niedertarif (Tages- und Nachpreis), Solarstromgewinnung usw. Zur Zuordnung der einzelnen Werte dient die OBIS-Kennzahl (1.8.0, 1.8.1, 1.8.2 usw.). Die Bedeutung der einzelnen Codes ist in der untenstehenden Übersicht aufgeführt.
Ihren Verbrauch über einen bestimmten Zeitraum können Sie ganz einfach ermitteln, indem Sie die Differenz zwischen zwei Zählerständen berechnen. Dazu kann Ihnen auch ConsoBat helfen, ein Tool der Plattform energie-umwelt.ch, das diese Berechnung automatisch durchführt, Grafiken zur Verbrauchsauswertung erstellt und das Erfassen von Notizen ermöglicht.
Auf Consobat können Zähler aller Art erfasst werden: Strom, Heizung (z. B. Heizöl, Gas, Pellets, Strom), Wasser usw. Danach müssen Sie lediglich die Zählerstände regelmässig in die entsprechende Tabelle auf ConsoBat eintragen. Das Tool berechnet anschliessend automatisch die Differenz zwischen zwei Ablesungen und erstellt Grafiken, mit denen sich der Verbrauch verfolgen lässt. Mit ConsoBat können Sie insbesondere überprüfen, ob Ihr Heizenergieverbrauch der jeweiligen Aussentemperatur entspricht, da die Heizgradtage in Ihrer Region berücksichtigt werden. Zudem lassen sich mithilfe des Tools die Energie- und CO2-Performance eines Gebäudes bewerten und mögliche Verbesserungen nach einer energetischen Sanierung erkennen.
Was bedeuten die Codes auf der Zähleranzeige?
Jedem Messwert auf dem Zähler ist eine OBIS-Kennzahl zugeordnet. Beginnt der Code mit «1» (1.8.0, 1.8.1, 1.8.2), handelt es sich in der Regel um die aus dem Netz bezogene Energie, bei Codes mit einer «2» am Anfang (2.8.0, 2.8.1, 2.8.2) um die ins Netz eingespeiste Solarenergie, sofern das Gebäude mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet ist . Mitunter findet sich auch der Code 16.7.0 (siehe unten).
Teilweise wird auch zwischen Hoch- und Niedertarifzeiten (Tages- und Nachpreis) unterschieden. Das gleiche Doppeltarifsystem gilt ebenfalls für Strom, der von Photovoltaikanlagen erzeugt und ins Netz abgegeben wird. Damit soll ein Anreiz geschaffen werden, Strom dann zu nutzen, wenn die Nachfrage geringer ist, um eine Überlastung des Netzes zu vermeiden.
1.8.0: Gesamtverbrauch – Hoch- und Niedertarif
2.8.0: Gesamtproduktion – Hoch- und Niedertarif
1.7.0: Momentan bezogene Leistung (kW)
1.8.1: In Hochtarifzeiten bezogene Energie (kWh)
1.8.2: In Niedertarifzeiten bezogene Energie (kWh)
2.7.0: Momentan ins Netz eingespeiste Überschussleistung (kW)
2.8.1: In Hochtarifzeiten ins Netz eingespeiste Überschussenergie (kWh)
2.8.2: In Niedertarifzeiten ins Netz eingespeiste Überschussenergie (kWh)
16.7.0: Bei manchen Verteilernetzbetreibern (VNB) wird dieser Code anstelle von 1.7.0 und 2.7.0 verwendet. Er bezeichnet die gesamte momentane Wirkleistung in kW. Ohne Photovoltaikanlage entspricht 16.7.0 dem Code 1.7.0. Ist eine solche Anlage vorhanden, ergibt sich dieser Wert aus dem Verbrauch abzüglich der Produktion. Zum Beispiel:
- Verbrauch 5 kW – Produktion 3 kW: 16.7.0 = 2 kW
- Verbrauch 5 kW – Produktion 6 kW: 16.7.0 = –1 kW oder 1 kW
Einige VNB geben diesen Wert als Absolutwert an. In diesem Fall lässt sich auf der Anzeige nicht erkennen, ob gerade Strom bezogen oder ins Netz eingespeist wird.
Wie lässt sich sicherstellen, dass kein Strom verbraucht wird?
Um sicherzugehen, dass kein Strom verbraucht wird (z. B. vor der Abreise in die Ferien), sollten Sie alle Geräte ausschalten und die Netzteile ausstecken. Gerade ältere Modelle verbrauchen nämlich auch im ausgeschalteten Zustand noch Strom. Denken Sie auch daran, den Kühlschrank und andere Geräte auszuschalten, die im Intervallbetrieb funktionieren, oder warten Sie, bis sie sich von selbst abschalten.
- Bei einem alten elektromechanischen Zähler ist es ganz einfach: Steht die Drehscheibe still, wird kein oder nur sehr wenig Strom verbraucht. Je schneller sie sich dreht, desto höher ist der Energieverbrauch.
- Bei einem digitalen Zähler gibt der Wert unter dem Code 1.7.0 an, wie viel Leistung in kW aktuell aus dem Netz bezogen wird. Wenn kein Gerät läuft, sollte er 0 betragen. Wichtig: Verfügt das Gebäude über eine Photovoltaikanlage und deckt diese zum Zeitpunkt der Ablesung den gesamten Verbrauch ab, so wird bei der momentan aus dem Netz bezogenen Leistung (1.7.0 oder 16.7.0) der Wert 0 angezeigt, selbst wenn Geräte in Betrieb sind, da kein Strom aus dem Netz bezogen wird. Um sicherzugehen, sollte die Anzeige deshalb nachts oder zu einer Zeit überprüft werden, an dem die Photovoltaikanlage keinen Strom produziert.
Umrüstung von alten auf intelligente Stromzähler
Im Rahmen der Energiestrategie 2050 des Bundes sind die Verteilernetzbetreibern (VNB) verpflichtet, die bisherigen elektromechanischen sowie die digitalen Stromzähler ohne Kommunikationsmodul schrittweise durch intelligente oder kommunikationsfähige Zähler (Smart Meter) zu ersetzen. Bis Ende 2027 sollen 80 Prozent der Zähler ausgetauscht werden. Ziel ist es, ein effizienteres und nachhaltigeres Energiemanagement zu ermöglichen.
Welche Vorteile haben intelligente Stromzähler für die Konsumentinnen und Konsumenten?
- Smart Meter ermöglichen es, den eigenen Stromverbrauch einfach zu überwachen und Energie zu sparen. Die Verbrauchsdaten werden alle 15 Minuten automatisch erfasst und in einer App, im Kundenportal des VNB oder direkt auf der Benutzeroberfläche des intelligenten Zählers als Lastengangkurven (Verbrauchskurven) dargestellt. Durch die häufigen Messungen lassen sich ungewöhnlich hohe oder auffällige Verbräuche rasch erkennen. Laut EnergieSchweiz können auf diese Weise bis zu 10 Prozent Energie eingespart werden, etwa mit einer App wie Perlas, die die individuellen Verbrauchsdaten analysiert und daraus Empfehlungen ableitet. Es ist weiterhin möglich, die kWh-Werte auf dem Zähler abzulesen und manuell zu erfassen oder sie über die App oder das Portal des Energieversorgers in einem Standardformat zu exportieren, um sie anschliessend in ein Verbrauchsanalysetool wie ConsoBat zu importieren (siehe Kasten).
- Es ist nicht mehr nötig, die Zählerstände selbst abzulesen oder für die Ablesung eine Fachperson aufzubieten: Die Messstände werden automatisch erfasst und unter Einhaltung der geltenden Datenschutz- und Privatsphärebestimmungen am Folgetag fernausgelesen an den VNB übermittelt. Die Übertragung der Zählerdaten erfolgt über das vom VNB gewählte Netz, etwa Glasfaser, Mobilfunk (4G/5G), PLC (Power Line Carrier), Funk (RF-MESH) oder eine Kombination dieser Technologien.
- Abgerechnet wird neu nach dem tatsächlichen Verbrauch; Akontozahlungen wie bei den bisherigen Zählern sind nicht mehr erforderlich. Dadurch fällt die Rechnung in den Wintermonaten, in denen die Tage kürzer und kälter sind, in der Regel höher aus als in den Sommermonaten, da sie nicht mehr gleichmässig über das Jahr verteilt ist.
- Sie ermöglichen den lokalen Stromaustausch, etwa im Rahmen einer Eigenverbrauchsgemeinschaft, und damit unter Umständen den Zugang zu günstigeren Tarifen.
- Die Verbrauchsdaten können beispielsweise an ein Gebäudeautomationssystem übermittelt werden.
Welche Vorteile bieten intelligente Stromzähler für die VNB?
Die VNB stehen vor neuen, komplexen Herausforderungen: Strom macht einen immer grösseren Anteil unseres Energieverbrauchs aus, nicht zuletzt aufgrund des rasanten Ausbaus von Rechenzentren für künstliche Intelligenz (KI) sowie der zunehmenden Verbreitung von Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen. Auch die Stromproduktion verändert sich: Strom wird nicht mehr nur in zentralen Anlagen erzeugt, sondern vermehrt auch dezentral durch Photovoltaikanlagen. Zudem ist die Erzeugung erneuerbarer Energien wetter- und tageszeitabhängig und weniger gut planbar als die Stromproduktion durch Gas-, Wasser- oder Kernkraftwerke, die kontinuierlich erfolgt.
Vor diesem Hintergrund helfen intelligente Stromzähler den VNB, Bedarf und Energieflüsse präziser zu erfassen und dadurch die Infrastruktur sowie den Netzbetrieb entsprechend anzupassen. So können sie beispielsweise die Stromerzeugung durch Photovoltaik auf Quartierebene erfassen oder Verbrauchsspitzen erkennen.
Ein Ziel ist es, Anreize zu schaffen, um bestimmte Geräte nicht zu Zeiten hoher Netzauslastung – etwa abends, wenn viele gleichzeitig kochen – zu nutzen, sondern tagsüber zu betreiben, wenn ein Überangebot an Solarstrom besteht. Neue dynamische Tarife oder Vergütungen könnten dazu beitragen, dass Konsumentinnen und Konsumenten ihren Stromverbrauch auf andere Zeiten verschieben. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Infrastruktur – etwa Kabel und Transformatoren – nur dort auszubauen, wo dies tatsächlich nötig ist, und so flächendeckende und kostspielige Investitionen zu vermeiden.
Wer hat Zugriff auf meine Daten?
Die Daten werden an die VNB übermittelt, die für Betrieb und Unterhalt der Infrastrukturen zuständig sind, sowie an die Energieversorger zur Fakturierung. In der Schweiz werden diese beiden Aufgaben häufig vom selben Unternehmen wahrgenommen. Da derzeit nur Grossverbraucher ihren Energieversorger frei wählen können, ist dies für die meisten Haushalte noch nicht möglich. Die übertragenen Daten sind durch das Bundesgesetz über den Datenschutz streng geschützt, das den Schutz der Privatsphäre gewährleistet. Aus diesem Grund werden die für die Abrechnung und die Visualisierung erforderlichen Daten, die im Viertelstundentakt erfasst werden, zeitversetzt und verschlüsselt an die VNB geschickt. Bei den VNB werden die Daten unter einem Pseudonym gespeichert, damit nur befugte Stellen die Verbrauchsdaten einer bestimmten Kundin oder einem bestimmten Kunden zuordnen können, etwa für die Rechnungsstellung.
Mit ausdrücklicher Zustimmung können Konsumentinnen und Konsumenten ihre Daten auch mit Dritten teilen, zum Beispiel mit einem Dienst zur Verbrauchsüberwachung wie Perlas oder im Rahmen einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG), um den Austausch von Verbrauchs- und Produktionsdaten zwischen den Teilnehmenden zu koordinieren.
