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Gebrauchte Batterien und Akkus zurückbringen ist Pflicht

In der Schweiz erreicht der Anteil der von der Bevölkerung in Recyclingprozesse zurückgebrachte Batterien und Akkus 70% des Gesamtverkaufs – dies ist ein Weltrekord. Trotz dieses vorbildlichen Verhaltens besteht kein Grund stolz zu sein, denn die restlichen 30% lasten schwer auf der Umwelt: Sie entsprechen einem Gewicht von 1000 Tonnen pro Jahr, die entweder mit Haushaltabfällen verbrannt oder anderweitig weggeworfen werden...

Batterien und Akkus sind "Sonderabfall"

Jedes Jahr werden in der Schweiz 120 Millionen Batterien und Akkus verkauft. Sind sie leer und verbraucht, gelten sie als "Sonderabfall", denn sie können Wasser, Boden und Luft verschmutzen. Sie enthalten nämlich aggressive Salzlösungen, Metalle, welche die Gesundheit aller Lebewesen bedrohen (Cadmium, Mangan, Quecksilber, Nickel, Blei, Zink etc.), sowie problematische Synthesestoffe wie Flammschutzmittel, die sich störend auf unser Hormonsystem auswirken können. Zwar enthalten die im Handel erhältlichen Batterien und Akkus praktisch kein Quecksilber und kein Cadmium mehr – beides sind ausgesprochen giftige Metalle. Aber in vielen Haushalten sind noch immer etliche alte Batterien vorhanden, die irgendwo ein vergessenes Dasein fristen: Zum Beispiel in Schubladen oder in nicht mehr benutzten Gegenständen wie in alten Fernbedienungen und Quarzuhren, in uninteressant gewordenen kleinen Spielzeugen, die leuchten oder Töne von sich geben, in ausrangierten Rasierapparaten oder auch in musikalischen Glückwunschkarten...

Die schweizerische Gesetzgebung verbietet, dass Batterien oder Akkus zusammen mit Haushaltabfällen verbrannt werden. Denn selbst die grosse Hitze in den Kehrichtverbrennungsanlagen kann nicht alle gefährlichen Substanzen zerstören: Bestimmte Stoffe gelangen mit den Abgasen in die Umwelt, andere verschmutzen das Reinigungswasser der Rauchgaswäsche (die Kehrichtverbrennungsanlagen sind mit Filtervorrichtungen und Rauchgasreinigungen ausgerüstet), wiederum andere finden sich in den Schlacken wieder, die auf Deponien landen.

Deshalb verpflichtet das Gesetz nicht nur die Händler, welche Batterien und Akkus verkaufen, zur kostenlosen Rücknahme derselben sowie zur Weitergabe an fachgerechte Recycling- bzw. Entsorgungsanlagen, sondern es verpflichtet auch den Käufer, sie in die Verkaufstellen oder Sammelstellen zurückzubringen.

Extraktion der Metalle aus gebrauchten Batterien in der Fabrik Batrec in Wimmis (Bern). Daraus entstehen Barren aus Ferro-Mangan und Zink sowie Quecksilber (in Flaschen), die wiederverwendet werden können. Schlacken, die sich nicht weiter zersetzen, werden auf Deponien entsorgt.  Fotos: Batrec

Recycling im Preis enthalten

Um den gesamten Recycling-Prozess zu finanzieren, ist eine vorgezogene Entsorgungsgebühr (VEG) im Kaufpreis von neuen Batterien und Akkus enthalten – auch in solchen, die bereits in einem Gerät wie zum Beispiel einem Mobiltelefon oder Computer enthalten sind. Diese Gebühr wird von INOBAT (Interessenorganisation Batterieentsorgung) verwaltet und entspricht einem Betrag von CHF 1.45 pro Jahr und Einwohner. Die gebrauchten und gesammelten Batterien und Akkus werden nach Wimmis in die Batrec Industrie AG im Kanton Bern transportiert. In dieser hochtechnologischen Giesserei werden Metalle und Salze zurückgewonnen und stehen für den erneuten Gebrauch zur Verfügung (siehe links). Ausserdem werden Synthesestoffe vollumfänglich in Spezialöfen verbrannt.

Bringen Sie auch elektrische und elektronische Geräte zurück

Trotz aller Informationen und Infrastrukturen, die seit rund zwanzig Jahren bestehen, werden noch immer rund 30% der gebrauchten Batterien und Akkus nicht in die Sammelstellen zurückgebracht. Um sich ein Bild von dem jährlich anfallenden Volumen zu machen: dies entspricht einer 2500 km langen Strecke, aus gewöhnlichen, aneinander gereihten Batterien (AA-Format) !

Diese Menge besteht natürlich nicht einzig aus AA-Batterien, obwohl die Alkaline-Batterien rund zwei Drittel der Gesamtmenge ausmachen. Diese Masse besteht aus allen möglichen Arten von Batterien, von grossen, wie sie in Akkuschraubern benötigt werden, bis hin zu den winzigen Knopfbatterien für kleine Damenuhren.

Wirft man ein nicht mehr gebrauchtes elektronisches Gerät in den Abfall, wirft man deshalb oft gleich eine Batterie oder einen Akku mit weg, ohne sich dessen bewusst zu sein. Und man bewegt sich gleich doppelt ausserhalb der Gesetzgebung, denn diese verlangt, dass alle elektrischen und elektronischen Geräte – unabhängig von ihrer Grösse – in Sammelstellen zurückgebracht werden, da ihre Schaltkreise ebenfalls Metalle und Stoffe enthalten, die nicht in die Umwelt gelangen dürfen.

Allein die Menge macht das Gift

Die meisten der in Batterien und Akkus verwendeten Metalle existieren kaum in freier Form. Man findet sie als Erze in Felsen eingeschlossen und sie sind – zum Glück – kaum in Kontakt mit Lebewesen. Versäumt man es, seine Batterien oder seine elektronischen Geräte zu recyceln, erhöht man die Konzentration dieser Elemente in unserer direkten Umgebung. Von Blei, Quecksilber, Cadmium und anderen Schwermetallen ist bekannt, dass sie auf Nervenzellen stark toxisch wirken. Wissenschaftler befürchten, dass sie in weit kleineren Dosen als bis anhin angenommen schaden können, wenn sie sich mit anderen Schadstoffen wie Pestiziden verbinden.