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Gebietsabhängige Energieplanung

 

Gebietsabhängige Energieplanung der Heizung

Die "gebietsabhängige Energieplanung" kann auf der Ebene eines Quartiers, einzelner Gemeinden, Kantone oder auch ganzer Regionen verwirklicht werden. Sie hat zum Ziel, den Energie­bedarf zu verringern, die umwelt­schädlichsten Heizungen zu sanieren sowie die Nutzung von lokalen, erneuerbaren Energieressourcen auszubauen, um schrittweise den Ausstieg aus fossilen Energieträgern zu realisieren.

Damit dieser Energiewechsel in die Politik und Raumplanung integriert werden kann, müssen zunächst zwei Inventare erstellt wer­den, die parallel geführt werden kön­nen. Das erste ist eine Bestandesauf­nahme:

  • Wel­che Energieträger werden für die Heizung und die Warmwasserbe­rei­tung in den Gebäuden verwendet?
  • In welchem Zu­stand befindet sich die Gebäude­iso­la­tion und lässt sich mit einer Sanierung eine Ver­bes­serung erreichen?
  • Wo und durch wen wird die Energie im Gebiet verbraucht – Wohnungen, Wirtschaftstätigkeiten, Infra­strukturen, usw…
Le ver luisant plante des jalons de chauffage

Die wichtigsten Träger erneuerbarer Energie :

Jalon Force hydraulique
Wasserkraft

Jalon Énergie solaire
Solarenergie

Jalon Géothermie
Geothermie

Jalon Chaleur de l'environnement
Umweltwärme

Jalon Bois
Holz

Jalon Biomasse
Biomasse

Jalon Vent
Windenergie

Bestandesaufnahme aller nutzbaren Energien

An zweiter Stelle wird eine Bestandsliste aller nutzbaren Energieressourcen erstellt: günstige Bodenverhältnisse für die Geo­thermie; gut exponierte Dachschrägen und Fassaden für Solaranlagen; Grund­wasser, Flüsse und Seen, welche im Winter als Wärmequelle und im Sommer als Kühlreservoir genutzt werden können; Abwärmenutzung aus industriellen Aktivitäten; genügend windreiche Gebirgskämme für Windenergieanlagen; nutzbare Waldbestände; aus dem Berg­innern stammende warme Tunnelwässer; Wasserläufe, Gebirgsbäche und Trink­wasserquellen, mit deren Druck Strom aus Wasserkraft gewonnen werden kann; Abwärmenutzung aus Abwasserleitungen; Klärschlamm, Abfälle aus Land- und Forstwirtschaft zur Gewinnung von Biogas; usw.

Die Energiequellen auf Karten übertragen

Anschliessend müssen die aus diesen Inventaren gewonnenen Informationen auf Karten oder in ein Management-Informationssystem des jeweiligen Gebiets übertragen werden, damit die Behörden und Verwaltungen diese Daten anlässlich der Bodennutzung für Gebäude, Infrastrukturen, wirtschaftliche Aktivitäten oder energieproduzierende Installationen berücksichtigen können (Richtpläne und Raumplanung).

Bei einem neu zu erstellenden Wohn­quartier kann zum Beispiel bereits bei der Planung ein Heizungsnetz vorgesehen werden, das die Häuser an eine Wärme-Kraft-Kopplungsanlage (WKK) anschliesst, welche gleichzeitig Wärme und Strom produziert. Der Kanton oder die Gemeinde können die zukünftigen Hausbesitzer dazu verpflichten, sich an dieses Netz anzugliedern oder die Leitungen durch ihre Parzellen verlegen zu lassen. Ein anderes Beispiel: Stehen Gebäudesanierungen in einem bestehenden Ortsteil an, weiss man, welche Dächer und Fassaden für eine Installation von thermischen Solar­anlagen oder Photovoltaikanlagen hinreichend gut exponiert sind, und man wird die Eigentümer über dieses Potential informieren können.

Die gebietsabhängige Energieplanung schafft auch Voraussetzungen für die Verwaltung von Nutzungskonflikten, beispielsweise solche, die zwischen der Installation einer Solaranlage und dem Heimatschutz, der Errichtung eines kleinen Wasserkraftwerks und dem Natur­schutz, oder auch zwischen dem Bau einer Windenergieanlage und dem Land­schaftsschutz entstehen können.

Carte du potentiel solaire des toits

Karte mit Hausdächern, auf welchen thermische Sonnenkollektoren installiert werden könnten. Die am besten geeigneten Dachseiten sind in gelb, die am wenigsten geeigneten in schwarz wiedergegeben (Quelle: ge.ch/sitg)

3D-Kartographie des Untergrunds

Die 3D-Kartographie des Untergrunds ist besonders wichtig, um Kenntnisse über das geothermische Potential eines Gebiets zu erhalten. Sie ermöglicht es abzuschätzen, wo die geologisch inte­ressanten Schichten liegen, bis in welche Tiefe vorgedrungen werden muss, um die gewünschte Temperatur vorzufinden, und in welchem Winkel die Bohrungen verlaufen müssen, um diese Stellen zu erreichen. Hat man diese Daten zur Hand, können im Erdreich zu verlegende Infrastrukturen geplant werden (Kanalisationen, Tiefen­fundamentierungen, Tunnels), ohne dass in dieses Energiepotential eingegriffen oder durch geothermische Bohrungen ein trinkwassergeeignetes Grundwasserreservoir gefährdet wird.

Besseres Management von Luftqualität und Fördergeldvergabe

Die gebietsabhängige Energieplanung er­laubt es auch, die Luftschadstoffemis­sio­nen in Gebieten, in welchen die Grenz­werte regel­mässig überschritten werden, zu be­gren­zen. Sie kann zum Beispiel die Orte bezeichnen, an welchen individuelle Holzheizungen untersagt sind, da sie – obwohl mit Filtern ausgerüstet – die Luftverschmutzung durch den Ausstoss an Feinstaub verschlimmern.

Sie ist auch ein Hilfsmittel für die strate­gi­sche Vergabe von Fördergeldern sowie die gezielte Gewährung von Steu­er­er­leichterungen, sei dies, um den Wärme­bedarf der Gebäude zu reduzieren (Iso­­­­­lation und Einbau neuwertiger Wär­me­­schutz­­fenster), um die Nutzung von erneu­er­baren Energieressourcen zu fördern, oder auch um Elektroheizungen zu ersetzen.

 

Werkzeuge für die räumliche Energieplanung, Energiestadt

Geoinformation, Bundesamt für Energie

pdf 0,5 Mo- Zusammenstellung der 24 Signete der gebietsabhängigen Energieplanung